Ein 50-jähriges Betriebsjubiläum bietet nicht nur Anlass zum Rückblick, sondern auch die Chance, hinter die Kulissen zu schauen. In der Felsen-Apotheke in Hauenstein gibt es viel zu entdecken, wie Miriam Heinrich, Geschäftsführerin der Wirtschaftsförderungsgesellschaft Südwestpfalz, vor Ort erlebte. 15 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, überwiegend aus Hauenstein, kümmern sich täglich um die Kundschaft. Zum Team gehören drei Apotheker – darunter das Inhaberehepaar Anja und Jan Schroer – sowie sieben pharmazeutisch-technische und fünf weitere Kräfte für den reibungslosen Ablauf im Hintergrund.
Dass die klassische „Dorfapotheke“ längst in der Moderne angekommen ist, zeigt ein genauer Blick: Vor etwa zehn Jahren wurde kräftig investiert, die Verkaufsfläche wurde neu gestaltet und erweitert sowie ein automatisches Warenlager eingeführt. Dieses umfasst derzeit etwa 13.500 Packungen. Das System sortiert, lagert und liefert die Präparate vollautomatisch – und reinigt sich zudem selbst. Schon beim Einlagern prüft der Roboter Maße und Verfallsdaten. Ganz ohne Menschen geht es dennoch nicht: Eine zusätzliche Kraft überwacht die Abläufe und sorgt für einen reibungslosen Betrieb. Zweimal täglich liefert der Großhandel Nachschub nach Hauenstein.
Auch der Alltag in der mit viel Engagement der Inhaber geführten Apotheke ist weitgehend digital und fast papierlos. E-Rezepte werden über die Gesundheitskarte abgerufen, das klassische Papierrezept ist zur Ausnahme geworden. Doch Technik allein sichert die Zukunft einer Vor-Ort-Apotheke nicht. Anja und Jan Schroer setzen bewusst auf persönliche Beratung und zusätzliche Leistungen, die sie vor allem von der Online-Konkurrenz abhebt. Individuelle angefertigte Rezepturen wie zum Beispiel Cremes, Salben, Kapseln und Lösungen entstehen direkt vor Ort und können bei Bedarf sogar nach Hause geliefert werden – ein Prozess, der mit Dokumentation bis zu zweieinhalb Stunden dauern kann.
Weitere Angebote wie zum Beispiel die Bestimmung des Vitaminspiegels ergänzen das Portfolio, denn für den bevorstehenden Winter ist das Depot an Vitamin D ein wichtiger Indikator und sollte gut aufgefüllt sein, so die Apotheker. Da es in Hauenstein kein eigenes Sanitätshaus gibt, ist die Apotheke auch hier eine wichtige Anlaufstelle und kümmert sich persönlich um die individuelle Anpassung von Kompressionsstrümpfen. Gleichzeitig trägt sie erhebliche finanzielle Risiken: Hochpreisige Medikamente, etwa zur Krebsbehandlung, müssen vorfinanziert werden. Einzelne Präparate kosten schnell mehrere Tausend Euro, bevor die Erstattung durch die Krankenkasse erfolgt.
Hinzu kommt der wachsende Druck durch Online-Apotheken. Die Stärke der Vor-Ort-Apotheke bleibt jedoch das, was digital kaum zu ersetzen ist: Hier kennt man sich noch persönlich, vertraut einander und schätzt die individuelle Beratung ebenso wie das Wissen um die Menschen und ihre Bedürfnisse vor Ort. Besonders eindrucksvoll zeigt diese persönliche Verbundenheit auch die Entscheidung von Anja Schroer, die ihre eigene Apotheke verkaufte, um mit ihrem Mann Jan den Betrieb zu führen, den er 2009 von seinen Eltern Claudia und Karl Heinz übernahm. Beide sind fest im Ort verwurzelt und haben nicht nur in moderne Technik investiert, sondern sind vor allem mit viel Herzblut bei der Sache. Der Besuch machte deutlich, was hinter der wohnortnahen Arzneimittelversorgung steckt – und warum sie alles andere als selbstverständlich ist.
Fotos: Martin Seebald

Die Felsen-Apotheke in Hauenstein feiert ihr 50-jähriges Bestehen

Vor zehn Jahren wurde kräftig investiert und die Verkaufsfläche neugestaltet und vergrößert

Ein automatisches Warenlager verwaltet derzeit etwa 13.500 Packungen: das System sortiert, lagert und liefert die Präparate vollautomatisch – und reinigt sich zudem selbst!



